Berufslexikon Spezial: Grüne Berufe: Gut für die Umwelt, fit für die Zukunft

Bei Umweltberufen denken Sie vielleicht zuerst an BiobäuerInnen, SolartechnikerInnen oder ÖkologInnen. Neben diesen „klassischen“ grünen Berufen gibt es eine Vielzahl an Jobs, die auch zum Schutz der Umwelt beitragen. Wir finden sie nicht nur in der Landwirtschaft und in der Umwelttechnik, sondern auch in der Industrie, im Dienstleistungsbereich, in der Verwaltung und in der Forschung.

Was sind eigentlich grüne Berufe?

Eine junge Frau trägt eine Holzkiste mit frisch geerntetem Gemüse im Garten.

© iStock/dragana991

Einerseits umfassen die grünen Berufe Tätigkeiten, die die Umwelt schützen. Das sind z. B. Berufe, die Luftverschmutzung und Müll vermeiden, Gewässer schützen oder Abwassersysteme entwickeln. Natürlich zählt auch der Schutz von Landschaften, Tieren und Pflanzen dazu. Andererseits fallen unter die grünen Berufe Tätigkeiten, die natürliche Ressourcen schonend nutzen, z.B. zum Wasser- und Energiesparen beitragen, erneuerbare Energien wie Wasser-, Sonnen- oder Windenergie nutzen, Plastik vermeiden und Produkte recyclen, also wiederverwerten. 

Darüber hinaus wächst das Umweltbewusstsein in fast allen Berufsbereichen und Branchen – und viele Berufe werden „grüner“, auch wenn sie im engeren Sinn keine Umweltberufe sind.

Vom individuellen Beitrag zum Umweltschutz und von grünen Berufen

Auswirkungen der Luftverschmutzung durch menschliches Handeln: auf der einen Seite grüne Bäume und Wiese mit Sonne, auf der anderen Seite trockene Erde mit Fabrikrauch im Hintergrund.

© iStock/angkhan

Was können wir persönlich tun, um den Klimawandel zu stoppen? Das hat sich auch die Familie Grüner gefragt – und beschlossen, umweltbewusster zu leben und CO2 einzusparen. Viele Berufe ermöglichen, dass die Familie Grüner nun umweltfreundlicher unterwegs ist, regional einkauft, nachhaltiger wohnt und Energie spart.

  • Umweltfreundlicher unterwegs sein: Familie Grüner wohnt in Wien, verzichtet öfter auf das Auto und legt mehr Wege mit der U-Bahn oder mit dem Fahrrad zurück. Ihr nächstes Urlaubsziel möchte die Familie mit dem Zug statt mit dem Flugzeug erreichen. Die Eltern überlegen, ein Lastenrad zu kaufen, um auch die Einkaufswege umweltfreundlich zurücklegen zu können. Von der FahrradmechanikerIn über U-Bahn-FahrerInnen bis zum Zugbegleiter – dank diesen Berufen sind wir umweltfreundlich mobil.
  • Nachhaltiger einkaufen: Bei Lebensmitteln achtet Familie Grüner z.B. auf regionales Obst und Gemüse aus Bio-Landwirtschaft, bei allen Produkten auf so wenig Verpackung wie möglich oder zumindest aus Recycling-Kunststoff. Weniger Fleisch kommt auf den Tisch, dafür qualitätsvolles von einem Landwirtschaftlichen Direktvermarkter. Kurze Transportwege, weniger Müll, bessere CO2-Bilanz – so gelingt es der Familie, nachhaltiger einzukaufen.
  • Wohnhaus sanieren: Das Haus, in dem Familie Grüner wohnt, soll in diesem Jahr saniert werden. Ein Energieberater hat Verbesserungen vorgeschlagen, eine Bautechnikerin für Sanierungstechnik plant eine Wärmedämmung an den Außenwänden und außerdem werden alle MieterInnen neue Fenster und Türen erhalten. Das führt zu einem geringeren Heizwärmebedarf, spart also Energie – und auch Heizkosten.
  • Erneuerbare Energien nutzen und auf Energieeffizienz achten: Familie Grüner denkt weiter und überlegt nun auch, Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen. Sie möchten einen Bekannten um Rat fragen, der Energietechniker für erneuerbare Energien ist. Beschlossen haben sie bereits, dass sie bei Elektrogeräten zukünftig immer auf die Energieeffizienz-Klasse, die Auskunft über den Energieverbrauch eines Gerätes gibt, achten.

Grüne Mobilität

Eine junge Frau lehnt am offenen Fenster eines Zuges und blickt in die grüne Landschaft.

© iStock/Oleh_Slobodeniuk

Durch die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern können wir alle einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Darüber hinaus gibt es beispielsweise auch Berufe, die sich mit alternativer Antriebstechnik und Fahrzeugtechnologien oder mit der Verkehrsplanung unter Berücksichtigung von Umweltaspekten beschäftigen.

Grün produzieren

Zwei Männer mit grünen Schutzhelmen blicken auf einen Laptop in einem Industriegebäude mit Rohren im Hintergrund.

© iStock/Portra

Nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei industriell gefertigten Produkten und Gütern ist es möglich, auf die Umwelt Rücksicht zu nehmen. Betriebliche Umweltbeauftragte sind beispielsweise für die umweltgerechte industrielle Produktion verantwortlich, UmweltverfahrenstechnikerInnen entwickeln Systeme zur Abluft- und Abwasserreinigung. UmweltanalytikerInnen messen und bewerten den Ausstoß von Schadstoffen durch industrielle Anlagen in Wasser, Luft und Boden.

Grün bauen und sanieren

Zwei junge Frauen und zwei junge Männer stellen gemeinsam eine Holzwand auf.

© iStock/Hispanolistic

Ob Sanierung oder Neubau von Gebäuden – Baufachleute denken immer auch den Umweltschutz bei ihren Bauvorhaben mit. BaubiologInnen beschäftigen sich mit Fragen rund um das Thema gesundes und grünes Wohnen. Öko-BaumeisterInnen wissen, welche Bauweisen und Baumaterialien besonders umweltschonend sind, HolzbautechnikerInnen errichten Bauwerke mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Und: Installations- und GebäudetechnikerInnen können sich auf Ökoenergietechnik spezialisieren.

Grüne Energie

Ein Solartechniker montiert Solarkollektoren auf einem Dach.

© iStock/zstockphotos

Ob Wasser, Wind, Sonne oder Biomasse – EnergietechnikerInnen für erneuerbare Energien befassen sich mit der umweltschonenden Nutzung von alternativen Energiequellen, z.B. durch Photovoltaik, Wind- und Wasserkraftanlagen oder Biomasse. In diesem Bereich gibt es auch einen Lehrberuf: FacharbeiterInnen für Biomasseproduktion und landwirtschaftliche Bioenergiegewinnung produzieren Biomasse aus Holz und Ackerpflanzen und bereiten diese für die Energieerzeugung vor. Zum Beruf SolartechnikerIn führen schulische Ausbildungen, akademische Ausbildungen und Kurzausbildungen.

In Niederösterreich entsteht das 1. Klimaschutz-Ausbildungszentrum Europas

Personen am Foto: EVN-Vorstandssprecher Stefan Szyszkowitz, Univ-Prof an der WU Wien Sigrid Stagl, AMS NÖ-Chef Sven Hergovich, AMS NÖ-Förderexpertin  Martina Kaschütz und AK NÖ-Präsident Markus Wieser.

© AMS NÖ / Andi Kreiner

Das Arbeitsmarktservice (AMS) NÖ bereitet sich auf stark steigenden Arbeitskräftebedarf in den Bereichen Ökologie, Umweltschutz und der Energiewirtschaft vor. Am aktuellen Standort des Beruflichen Bildungszentrums (BBZ) in Sigmundsherberg (Bezirk Horn) wird das 1. Klimaschutz-Ausbildungszentrum in Europa entstehen. Die Fertigstellung ist mit Herbst 2023 geplant.

„Das Klimaschutz-Ausbildungszentrum wird zum Vorreiter in der Ausbildung in den Bereichen erneuerbarer Energie, umweltbezogener Gebäudetechnik und moderner, energieeffizienter Haustechnologie werden. Es bietet optimale Vorbereitung auf den künftigen Berufseinstieg und für die Wirtschaft jene Fachkräfte, die mehr als dringend in Niederösterreich und ganz Österreich gebraucht werden“, so AMS NÖ-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich.

Zusätzlich zum bestehenden Angebot Aus- und Weiterbildungsangebot werden nach dem kompletten Umbau im BBZ Sigmundsherberg neue Lehrausbildungen in den Bereichen

  • Gas- und  Sanitärtechnik
  • Lüftungstechnik

sowie Weiterbildungen in den Bereichen

  • Photovoltaik
  • Elektromobilität
  • Ausbildungen für Elektropraktiker_innen für Elektrotechnik und Befestigungstechnik
  • Gebäudetechnik (Smart Home)

angeboten.

Mehr Informationen zum 1. Klimaschutz-Ausbildungszentrum finden Sie hier

Wie werde ich WindenergietechnikerIn?

Eine Windenergietechnikerin und ein Techniker mit Laptop blicken auf eine Windkraftanlage, im Hintergrund leuchtet die Sonne.

© iStock/BulentBARIS

In Niederösterreich oder im Burgenland sind Sie bestimmt schon einmal bei einer Windkraftanlage vorbeigekommen. Vielleicht haben Sie sich gefragt: Wer baut und repariert eigentlich diese „Windräder“? Lesen Sie hier, welche Aufgaben WindenergietechnikerInnen haben, welche Anforderungen im Beruf gefragt sind und welche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten es in Österreich gibt.

Sie möchten in einen grünen Beruf umsteigen?

Diese 6 Berufe können Sie im Rahmen einer Kurzausbildung erlernen ...

... wenn Sie Freude am Beraten und technisches Verständnis haben:

  • EnergieberaterIn: wirtschaftlich und umweltfreundlich den Energieverbrauch optimieren
  • Umwelt- und AbfallberaterIn: Betriebe beraten, Vorträge halten und in sozialen Medien zu Umweltschutz und Abfallentsorgung informieren

... wenn Sie schwindelfrei und handwerklich geschickt sind:

  • SolartechnikerIn: die Energie der Sonne nutzen, Solaranlagen planen, montieren und reparieren
  • BaumpflegerIn: beruflich auf Bäume klettern, Baumkronen auslichten und neue Bäume pflanzen

... wenn Sie Freude am Kontakt mit Menschen haben und gerne draußen sind:

Studie: Beschäftigungs- und Ausbildungstrends in der österreichischen Umweltwirtschaft

Cover AMS-Report 156: Beschäftigungs- und Ausbildungstrends in der österreichischen Umweltwirtschaft

Welche Berufsbilder und Ausbildungen gibt es in der Umweltwirtschaft? Wie hat sich die Umweltbeschäftigung in den letzten Jahren entwickelt? Die Studie „Beschäftigungs- und Ausbildungstrends in der österreichischen Umweltwirtschaft“ aus dem Jahr 2021 hat die Antworten.

Wussten Sie, dass …

… es in Österreich 218.278 Umweltbeschäftigte – inklusive Beschäftigte im öffentlichen Verkehr – gibt?

… der Umweltumsatz, also die Summe aller Einnahmen von Waren und Dienstleistungen der Umweltwirtschaft, einen Anteil von fast 11 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat?

… die österreichischen Umweltexporte, also die Exporte von Umweltgütern und -dienstleistungen aus Österreich in andere Länder, 13,9 Milliarden Euro ausmachen?

Quelle: Statistik Austria: Umweltgesamtrechnungen. Modul - Umweltorientierte Produktion und Dienstleistung (EGSS) 2019. Projektbericht.

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